Das Konzept der Abteilung "Archäologie" des Hemberg-Museums

Als älteste Abteilung (1993) des in der Museumslandschaft der Bundesrepublik Deutschland relativ einzigartig dastehenden breitgefächerten Museums in der Schule ist der Bereich der Archäologie in besonderer Weise philosophisch konzipiert, indem Fragen aufgeworfen werden, die im Bildungsbemühen der unterschiedlichen Unterrichtsfächer von Geschichte über Latein und Religion zum Fach Philosophie jeweils angesprochen werden. Trotz etlicher hervorragender repräsentativer Artefakte und Expositionen der Sammlung Helmut König soll hier der Versuch unternommen werden, nicht nur die historischen Epochen oder das Leben der Menschen von ihren Werkzeugen und "Dingen" her zu charakterisieren.

Es geht vielmehr, wie die Tableaus und die Gestaltung der Nordwand mit der Darstellung der Menschheitsentwicklung zeigen, um das "Weltbild", das Bild von der Welt, das sich die Menschen zu allen Zeiten immer schon gemacht haben.

Denn einerseits bilden wir uns, seit wir als Menschen ein Geschichtsbewusstsein haben, immer schon ein Bild der vergangenen historischen Epochen, und anderseits schufen die Menschen der verschiedensten Kulturepochen seit der Altsteinzeit sich "Weltbilder", die die Aufgabe hatten, die ewigen philosophischen Fragen nach Gott und der Welt zu beantworten. Die Fragen: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wohin gehe ich (Was habe ich zu erhoffen?)? Was kann ich erkennen? bewegen uns. Daher ist der Gang durch die historischen Epochen vom Werden des Menschen bis zum Mittelalter und zur Neuzeit eingebettet zwischen den "Weltbildern" der Scheibe von Nebra, der alten Kabbala etc. zu Beginn der Abteilung bis zu dem bunten asiatisch-europäischen Mandala am Ende vor Raum E19.

Die von den repräsentativen Bildern ausgehenden Denkanstöße sollen auf "Bildung" zielen. Die einzelnen Vitrinen mit den exemplarischen Objekten aus den diversen Epochen der Ur- und Frühgeschichte wie vom Mittelalter und der frühen Neuzeit werden beispielhaft gedeutet durch folgende Tableaus (Auswahl):

  1. Das Dunkel des Ursprungs: Malereien in der Grotte Chauvet
  2. Himmelsgöttin und Zodiakos - der ägyptische Tierkreis der Sterne
  3. Das Weltbild auf der Nebrascheibe
  4. Das Ptolemäische Weltbild
  5. Das spirituelle Weltbild der Kabbala
  6. Das physikalische Weltbild der Gegenwart
  7. Der Kultraum von Newgrange
  8. Stonehenge - Der Kreis der tanzenden Steine
  9. Der Kultwagen von Strettweg - Religon in der Eisenzeit
  10. Steinerne Erinnerung an die Varusschlacht
  11. Die älteste Christusdarstellung Nordeuropas (Jellinge ca. 980 n.Chr.)
  12. Leben in einem Dorf der Franken
  13. Fresko-Bild eines adeligen Franken (800-810 n.Chr.)
  14. Die Ebstorfer Weltkarte als Beispiel des mittelalterlichen Weltbildes
  15. Die Ideologie der Ritterschaft (Bild aus dem Codex Manesse und Tjostbild)

Die exemplarischen Tableaus dienen also einerseits als Illustration des Vitrineninhalts; andererseits geben sie einen geistigen Impuls, bewirken eine Reflexion in Richtung der Welt, in der jene Menschen lebten, die wir heute so oder so betrachten, indem wir uns nach greifbaren Anhaltspunkten bzw. Objekten eine Vorstellung von ihnen machen.

In der ersten Vitrine auf der Südwand und den dazugehörigen Abbildungen der Entwicklung des aufrechten Ganges an der Nordwand des Flures wird die biologische Evolution der Menschen dargestellt. Vom biokulturellen Menschenaffen zum Menschen wird die Entwicklung über die Vor- und Frühmenschen zum Homo sapiens sapiens erläutert. Dieser Teil der Ausstellung bildet u.a. den Übergang von der paläontologischen Abteilung zur eigentlichen Archäologie.

Zehn weitere Vitrinen widmen sich der kulturellen Evolution des Menschen. Ihre Inhalte beziehen sich im Einzelnen auf folgende Themen:

  1. Altsteinzeit
  2. Objekte mittel- und jungsteinzeitlicher Kulturen
  3. Kult in der Oeger Höhle
  4. Hinterlassenschaften der Metallzeiten
  5. Römische Zivilisation
  6. Darstellung eines Frankenkrieger-Grabes
  7. Germanenzeit und Mittelalter (u.a. Raffenburg und Kloster Elsey)
  8. Neuzeit (vor allem Schloß Hohenlimburg)

Beim Öffnen der Vitrinen wird das Begreifen im wörtlichen und geistigen Sinne bei den Schülern zum Ereignis.

W. Bleicher